Ein
echter Tarnkappen Ferrari.
Fiat
geht es schlecht. Die Autosparte des weit verzweigten Konzerns leidet
unter anhaltendem Absatzschwund. Freude bereitet bald nur noch Ferrari.
Bei dem Rennstall mit angeschlossener Sportwagenproduktion und inzwischen
unsterblichen Mythos gehört Exklusivität allerdings zum Programm.
Daher lassen sich die guten Imagewerte nur bedingt in grössere
Stückzahlen umsetzen. Dafür hat Ferrari Maserati gekauft.
Toller Markenname und weniger Verkaufsbeschränkungen, dafür
aber reichlich Möglichkeiten, Ferraritechnik einzusetzen.
Einziges Modell dort war bislang der bildhübsche 3200 GT, der mit
den bogenförmigen Lichtern (Aufmerksame Leser erinnern sich sicherlich
an unseren Test in Modena).
Besonders gute Absatzchancen sehen die Italiener in den USA. Den Amis
gefallen offene Autos, aber, so behaupten Marketinguntersuchungen, keine
bogenförmige Rückleuchten. Also mussten die extravaganten
Lichter weg und ein Cabrio her. Heraus kam der Maserati Spyder.
Aus der Nähe betrachtet sind die neuen Rückleuchten gar nicht
so schlecht. Aber viel langweiliger als die charakteristischen Boomerangleuchten.
Ansonsten aber ist die Öffnung des Coupés zum Spyder gut
gelungen. Der Giugiaro-Entwurf harmoniert auch mit 22 Zentimeter kürzerem
Radstand und Stoffverdeck.
Letzteres ist bequem elektrisch zu bedienen und verschwindet vollständig
unter einer festen Klappe. Geschlossen gefällt es zudem mit Solidität
und angenehmer Geräuschkulisse. Offen gibt sich der Spyder allerdings
eher von der unruhigen Sorte. Auch mit Windschott fegt ein scharfer
Wind durchs Cockpit.
Der Innenraum selbst aber entpuppt sich als Quell de Freude. Anmutung
sowie Materialien (fast alles ist handgearbeitetes Leder) wirken edel,
und die Verarbeitung ist sehr gut.
Beschützt werden die Insassen serienmässig von den stabilen
Überrollbügeln, Front- und Seitenairbags sowie Gurtstraffern.
Mit den Biturbomotoren, einer Art Markenzeichen für Maserati, ist
jetzt entgültig schluss. Den Vortrieb besorgt ein V8-Saugmotor,
den Ferrari entwickelt hat und dessen Basis in Zukunft auch bei den
"Roten" Verwendung finden wird. Gegenüber dem Turbo hat
er einen Liter mehr Hubraum und leistet satte 390 PS. Damit überschreitet
er zwar nicht die für Sportmotoren magische Schwelle von 100 PS
pro Liter Hubraum, dafür glänzt er mit einem üppigen
Drehmoment von 451 Nm bei 4500 U/min.
Dementsprechend gleichmässig zieht der Vierventiler durch. Kraftvoll
und drehwillig durcheilt er das Drehzahlband bis zum Begrenzer. Die
Fahrleistungen sind schlichtweg enorm. Keine 5 Sekunden vergehen bis
Tempo 100. 283 Km/h Höchstgeschwindigkeit, sagen mehr aus als Worte.
Das Laufgeräusch ist stark von der Mechanik geprägt. Die vier
Endrohre sind ware Zauberflöten, denn sie mutieren bei höheren
Drehzahlen zu wahren Posaunen. Es machte irre Spass unserem Testkandidaten
den Marsch zu blasen zumal die "Cambiocorsa" für die
Euphorie entscheidend mitverantwortlich ist.
Die auffälligste Änderung am Fahrwerk gegenüber dem 3200
GT ist die Umstellung auf die Transaxle-Bauweise. Damit erreichen die
Italiener eine sehr ausgewogene Gewichtsverteilung und eine verbesserte
Traktion.
Fazit:
Gemessen an der Leistungsklasse ist der Komfort prima. In Sachen Verwindungssteifigkeit
gefiel uns der knapp 100.000.- Euro teure Spyder nicht so gut. Berücksichtigt
man die exklusive Ferrai-Technik unter der Haube, ist der Maserati allerdings
ein vergleichsweise günstiges Angebot.
Pascal Berchem.