Neuer Wind aus Bayern!
Der machohafte Auftritt sorgte in Europa für ein zweifelhaftes Image, völlig zu unrecht: Die Corvette von heute kann mit den besten ihrer Klasse mithalten und gehört so zu den meist unterschätzten Sportwagen überhaupt.
Lange Schnauze, kurzes Heck und Klappscheinwerfer, die Corvette tritt wie immer durchtrainiert und selbstsicher auf. Die Windschutzscheibe liegt extrem flach, das Heck mit den riesigen Rückleuchten und vier Auspuffendrohren wirkt gewaltig. Am 4.56 Meter langen Zweisitzer ist alles etwas größer.
Unter der Haube werkelt ein V8 mit 5,7 Liter Hubraum und 344 PS. Zylinderblock und Zylinderkopf sind aus Alu gefertigt, auf einen aufwendigen Vierventil-Zylinderkopf wurde hingegen verzichtet. Mit 483 Nm Drehmoment hat das die Vette auch nicht nötig. In Sachen Fahrleistungen lässt sie selbst hochkarätige Konkurrenten hinter sich. Eindrucksvoll ist die gewaltige Elastizität. Aus jedem Drehzahlbereich zieht die Corvette los wie von der Tarantel gestochen. Unverwechselbar der Sound des Achtzylinders, der mit ein Grund ist für den legendären Ruf der Corvette ist.
Auf Wunsch kann der Fahrer zwischen drei Fahrwerksabstimmungen, normal, sportlich und rennmässig wählen. Die serienmäßige elektronische Stabilitätskontrolle sorgt dafür, dass die Bullenkraft immer kontrolliert auf die mächtigen Hinterräder geleitet wird.
Nicht nur geradeaus, auch auf kurvenreichen Strassen macht die Corvette eine gute Figur. Sie brauch keinen Vergleich mit der europäischen Konkurrenz zu scheuen. Das liegt zum einen an der perfekten Gewichtsverteilung von 50:50 und dem mit 1550 Kg vergleichsweise niedrigen Gewicht und der gut gelungenen Fahrwerksabstimmung.
Eine Besonderheit ist das Head-up-Display. Mit dem im Armaturenbrett untergebrachten Projektor werden Geschwindigkeit, Tourenzahl usw in digitaler Form auf die Windschutzscheibe projiziert. So kann man die Daten ablesen, ohne den Blick von der Fahrbahn zu wenden. Das Cockpit wirkt typisch amerikanisch. Es ist zwar komplett ausgerüstet, es fehlt ihm aber etwas an Gediegenheit und Verarbeitung.
Perfekt ist die Sitzposition. Die Polsterung ist zwar etwas schwammig, dafür sitzt man vergleichsweise tief und geborgen zwischen der Tür und dem mächtigen Kardantunnel.
Fazit: Kaum ein Sportwagen wird so unterschätzt wie die Corvette. Sie hat jede Menge sportliches Talent, macht viel Fahrspaß und kostet in Anbetracht der gebotenen Leistung verblüffend wenig.
Pascal Berchem