Der
Cooper S: Reanimation eines Kultstatus.
Automobile
Minimalkonzepte boten mit ihrer genialen Sparsamkeit bei Raum und Gewicht
schon immer Spielraum für die Phantasie von Leistungsfetischisten.
Besonders erfolgreich zu Ende gedacht hat dies John Cooper beim Mini.
Seine ultimative Sportversion, der Cooper S, gewann mit bescheidenen
75 PS immerhin viermal die Rallye Monte Carlo. Gemäss der eigenen
Markenphilosophie durfte also auch im New Mini der Cooper S nicht fehlen.
Mit ein bisschen Garagen-Tuning war es freilich nicht getan. Denn in
Zeiten von Craschsicherheit und ausuferndem Gewicht sind selbst 115
PS im Mini Cooper nicht mehr auffällig spritzig. Wir haben getestet,
ob 163 Kompressor-PS so spektakulär wirken wie Rallye-Siege.
Der Cooper S unterscheidet sich nur geringfügig von seinen Brüdern.
Am auffälligsten ist die Haube, die nicht nur über eine Art
Briefkastenschlitz für den Ladeluftkühler verfügt, sondern,
um diesem ausreichend Platz zu bieten, auch vier Zentimeter höher
gewölbt ist. Passend dazu wurde auch die eigens entworfene Frontschürze
mit einem schwarzen Wabengrill versehen, der zusätzlich Luft in
den Motorraum lässt. Funktionslos sind hingegen die Lüftungsgitter
in der Heckschürze, die aber den mittig angeordneten Doppelauspuff
effektvoll einrahmen.
Auch innen gibt "S" sich mit kleinen, aber feinen Unterschieden
zu erkennen. Dazu gehören spezielle Bezüge für die Sitze
und andere Farben für die Türinnenverkleidungen.
Der Cooper S ist serienmässig mit dem so genannten Sportfahrwerk
PLUS ausgestattet. Dazu gehören verstärkte Stabilisatoren
und straffere Federn. Das wirklich gokart-artige Handling provoziert
aberwitzige Kurvengeschwindigkeiten. Dementsprechend schwierig ist das
Verhalten im Grenzbereich zu ermitteln. Selbst rüde Lastwechsel
lassen den Briten kalt. So viel Feinarbeit für Fahrdynamik bleibt
beim Komfort natürlich nicht folgenlos. Das Abrollverhalten bei
niedrigem Tempo ist bisweilen lausig. Knochig poltert der Cooper S dann
in Schlaglöcher und beweist damit immer wieder seine hervorragende
Karosseriesteifigkeit. Erstaunlich hingegen, wie geschmeidig die Federung
die Strassenoberfläche bei höherem Tempo nachzuzeichnen in
der Lage ist.
Die beengten Platzverhältnisse im Mini zwangen die Bayerischen
Motorenwerke ausgerechnet in der Paradedisziplin Triebwerk zu Kompromissen.
Weil nicht mal der kleinste Vierzylinder aus dem Programm zum Quereinbau
in den Fronttriebler taugt, produzieren die Bayern zusammen mit Chrysler
einen 1,6-Liter mit 16 Ventilen, aber nur einer Nockenwelle.
Damit war der übliche BMW-Weg zur Kraft über hochdrehende
Saugmotoren mit aufwändiger Ventilsteuerung nicht rentabel. Aus
der Not machten die Münchener die Tugend der Kompressoraufladung,
denn selbst eine Abgasaufladung hätte mit ihrem komplizierten Krümmer-Turbinensystem
Platzprobleme verursacht.
Zum Ergebnis kann gratuliert werden: Der weiterhin nur 1,6-Liter grosse
Vierzylinder leistet nun 163 PS und stemmt bei 4000 U/min 210 Nm auf
die überarbeitete Kurbelwelle. Das reicht auch bei gut 1200 Kg
Leergewicht für ausserordentlich gute Fahrleistungen. Zwar reagiert
der Kompressormotor nicht so hyperspontan aufs Gaspedal wie etwa ein
M3, dafür bietet er schon bei niedrigsten Drehzahlen einen sehr
guten Durchzug. Die Leistungsentfaltung erfolgt bei guter Drehwilligkeit
und Laufruhe sehr kontinuierlich.
Die angenehme Leistungscharakteristik bräuchte an sich keine enge
Getriebe-Abstufung. Zumindest die unteren drei Gänge der Getrag-Sechsgangbox,
die nur im CooperS Verwendung findet, sind für unseren Geschmack
etwas zu lang ausgelegt, dadurch verliert der Cooper S etwas an seiner
Spritzigkeit.
Fazit:
Knappe 20.000.- Euro sind für diese Knallerbse sicherlich eine
Stange Geld. Kult und Fun gleichen diesen Schönheitsfehler aber
locker aus.
Pascal
Berchem.