Ein SL für alle?
1954 war die Welt noch in Ordnung. Ein SL war ein SL, ohne Wenn und Aber. Teuer und in jeder Hinsicht unverwechselbar. Wem das nicht passte, der passte einfach nicht zu Mercedes-Benz. Heute stellt sich die Sache deutlich komplizierter dar, offerieren die Stuttgarter ihren Rasse-Roadster in der Bandbreite von schmal und fett.
Wie viel Luxus und Leidenschaft bietet der Einstiegs-SL mit seinem 3,7-Liter-V6 und der Typenbezeichnung SL 350. Eine berechtigte Frage, da nicht nur 50.000,- Euro zwischen dem grössten und dem kleinsten SL liegen, sondern ganze Weltanschauungen. Rein optisch kann nur ein Kenner die beiden auseinander halten. Wer tatsächlich die Schriftzüge vom Kofferraumdeckel entfernt, muss schon mal mit Verwechslungen rechnen. Doch was soll`s! Sprechen wir nicht über Prestige oder Neid, sondern lieber über Leistung. In 7.3 Sekunden schieben die 245 PS den knapp 1.8 Tonnen schweren Roadster auf 100 km/h. 350 Nm Drehmoment und die hellwache Fünfstufenautomatik machen Überholmanöver zur Sekundensache.
Dank einer einzigartigen Kombination elektronischer Fahrsysteme bietet die neue SL-Klasse ein dynamisches Fahrerlebnis und zugleich ein hohes Mass an Fahrsicherheit.
Erst bei 250 km/h greift das elektronische Tempolimit ein. Besonders in den unteren und mittleren Drehzahlen klotzt der Kleine kräftig, beisst beherzt und grummelt gefährlich. Das alles in Kombination mit dem genialen Falt-Festkörper über den Köpfen der Passagiere, der das SL-Wetter innerhalb einer Rotphase von Coupé auf Cabrio stellt.
Exklusive Ausstattungsdetails wie handverarbeitetes Leder, Edelholz oder matt glänzender Chrom wecken Erinnerungen an die Sportwagen früherer Jahre.
Der SL 350 besitzt alles um den Verstand zu überzeugen. Ein SL ist immer ein Erlebnis der besonderen Art, egal ob hinten 350 oder 600 draufsteht. Doch auch wenn die Vernunft ganz klar zum kleinen Sechszylinder rät, erliegen so manche dem Zauber des Zwölfzylinders.
Pascal Berchem